AI Development
AI Mux: Mehrere Coding-Agents parallel steuern
Wie wir Codex, Claude Code und bis zu fünf Agents über mehrere Projekte und Git-Worktrees koordinieren
Paul W.
· 5 Minuten Lesezeit
Mehrere Coding-Agents, aber nur ein Paar Augen
Angefangen hat alles mit einem konkreten Problem: Codex und Claude Code liefen bei uns ständig parallel, verteilt auf tmux-Tabs, eigene Keybindings und mehrere Terminalfenster. Irgendwann war das schlicht nicht mehr zu überblicken. „tmux hat für uns einfach nicht mehr gereicht“, sagt Jan H. rückblickend. Paul W. beschreibt es ähnlich: Das eigentliche Problem war, mehrere KI-Agenten gleichzeitig in der CLI zu managen.
Für genau diesen Workflow fanden wir kein passendes Tool, also bauten wir selbst eines. AI Mux ist unser lokaler Coding-Agent-Multiplexer: eine Oberfläche für bestehende CLI-Tools, Projekte und Shells. Eine Grundsatzentscheidung stand von Anfang an fest: AI Mux ersetzt die Agents nicht, sondern ordnet sie.
Ein junges Projekt mit klarem Bedienkonzept
Der erste Commit stammt vom 17. Juni 2026, aktuell stehen wir bei Version 0.0.16. AI Mux ist damit ausdrücklich Work in Progress und kein fertiges Produkt. Trotzdem hat sich früh ein klares Bedienkonzept herausgebildet: eine keyboard-getriebene Desktop-UI mit Control- und Insert-Mode, inspiriert von Vim.
Beim Layout unterstützt AI Mux sowohl das klassische Grid aus dem Screenshot oben als auch horizontal scrollende Spalten nach dem Vorbild von Niri. Im Alltag bevorzugen wir die Spalten: Die räumliche Navigation mit einem Projekt links und dem nächsten einige Spalten weiter fühlt sich für uns intuitiver an. Das Design entstand gemeinsam und wurde immer wieder mit Feedback aus dem Team geschärft. Paul W. kümmerte sich verstärkt um die PWA, ihren Android-Vorläufer und Remote Access; Jan H. konzentrierte sich stärker auf Look-and-feel und Produktivität.

AI Mux während einer bereinigten Entwicklungs-Session mit mehreren Agents im klassischen Grid.
Codex, Claude Code und Git-Worktrees im Alltag
In der Praxis bedeutet das: zwei bis drei Projekte gleichzeitig, mehrere Agents parallel, manchmal bis zu fünf. Für Feature-Arbeit laufen sie häufig in getrennten Git-Worktrees, damit sie sich nicht gegenseitig in die Quere kommen. Der integrierte Worktree Manager kann Worktrees anlegen, inspizieren, öffnen und kontrolliert wieder aufräumen. Normale Shells bleiben Teil der Oberfläche, etwa für Builds und Git-Kommandos.

Der Worktree Manager bündelt Branches, lokale Checkouts und die wichtigsten Aktionen in einer Ansicht.
Codex, Claude Code, OpenCode und Cursor teilen sich dabei dieselbe Arbeitsfläche. Für Codex, Claude und OpenCode lassen sich außerdem getrennte Account-Profile auswählen.
Das für uns wichtigste Feature ist jedoch die Attention Queue. Sie gruppiert Sessions als „Needs you“, „Done“, „Working“ und „Idle“. Statt ständig jedes Pane zu kontrollieren, sehen wir auf einen Blick, wo ein Agent tatsächlich Input braucht. Wie präzise diese Zustände sind, hängt von der jeweiligen provider-nativen Integration ab. Auch daran arbeiten wir weiter. Praktisch im Alltag: Die Terminal-Prozesse laufen unabhängig von der Oberfläche weiter und überstehen einen Neustart der Electron-GUI.
Vom Desktop aufs Handy: AI Mux Remote
Agents arbeiten auch dann weiter, wenn man gerade nicht am Schreibtisch sitzt. Dafür gibt es eine optionale, selbst gehostete PWA. Nach dem Einrichten eines privaten Gateways wird ein Gerät über einen kurzlebigen QR- oder Einmalcode gekoppelt. Danach lassen sich Fortschritt prüfen, Rückfragen beantworten, Sessions steuern und neue Sessions starten. Als Kontext dienen bewusst begrenzte Terminal-Ausschnitte.
Ein vollständiger Remote-Terminal-Emulator ist die PWA nicht. Wir nutzen sie bereits im Alltag, aber die Integration ist nach Jans Einschätzung weiterhin die größte aktive technische Baustelle.

Die Session-Übersicht der PWA enthält bereinigte Demo-Inhalte und keine echten Projektdaten.
AI Mux unter Linux per APT installieren
Wer den aktuellen Stand selbst ausprobieren möchte, kann AI Mux auf einem amd64-System mit APT über unser öffentliches Paket-Repository installieren:
sudo install -d -m 0755 /etc/apt/keyrings
curl -fsSL https://schmidt-embedded-systems-gmbh.github.io/ai-mux-apt/ai-mux.asc \
| sudo tee /etc/apt/keyrings/ai-mux.asc >/dev/null
sudo tee /etc/apt/sources.list.d/ai-mux.sources >/dev/null <<'EOF'
Types: deb
URIs: https://schmidt-embedded-systems-gmbh.github.io/ai-mux-apt/
Suites: stable
Components: main
Architectures: amd64
Signed-By: /etc/apt/keyrings/ai-mux.asc
EOF
sudo apt update
sudo apt install ai-mux
Das Repository bietet zusätzlich ein separat installierbares Nightly-Paket. Details zur Signatur, Installation und zum jeweils veröffentlichten Paketstand stehen im öffentlichen Repository.
Was noch fehlt
Die Grundlagen für eine Supervisor-Konsole, MCP- und CLI-Steuerung sowie dauerhafte TaskRuns sind vorhanden. Ein automatischer Meta-Orchestrator ist jedoch noch in Planung und Erprobung; auch der Supervisor selbst ist noch kein verlässlich fertiges Produkt.
Das passt zum Stand des Projekts: Version 0.0.16 heißt Version 0.0.16. Account-Profile gibt es für ausgewählte Provider, nicht universell. Remote Access verlangt eine bewusste private Einrichtung. Und an einigen Stellen merkt man, dass AI Mux erst wenige Wochen alt ist. Das nehmen wir in Kauf. Wir bauen zuerst das, was wir selbst täglich brauchen.
Koordination ist der neue Engpass
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt ist unspektakulär, aber zentral: Sobald sich Coding-Agents vervielfachen, sind nicht mehr ihre einzelnen Antworten der Engpass, sondern Koordination und Aufmerksamkeit.
Genau dafür ist AI Mux gedacht: als fokussierter Daily Driver für unseren eigenen Workflow, nicht als universelle Agent-Plattform. Der nächste große Schritt ist, die PWA robuster zu machen und herauszufinden, wie viel Orchestrierung sich sinnvoll automatisieren lässt, ohne Kontrolle und Übersicht wieder zu verlieren.